Paul Scherrer Institut PSI plant den Bau eines Flüssigsalzreaktors

Das PSI plant ein Forschungsprojekt und den Bau eines Flüssigsalzreaktors zu Testzwecken. Auf der Basis eines Verfahrens zum Bau einer „Kernanlage mit geringem Gefährdungspotenzial„. Diese Bezeichnung führt im Umfeld der Kernkrafttechnik schnell zu Unklarheiten und schreckt kritische Betrachter der Kernkraft auf. Denn im Umkehrschluss könnte der Betrachter davon ableiten, dass andere Kernanlagen ein „höheres Gefährdungspotenzial“ aufweisen. Das ist denn auch genau so. Trotzdem hilft das einem Betrachter mit durchschnittlichem Wissen über Kernkraft nicht in der persönlichen Beurteilung einer Gefahr durch Kernkraft.

Wichtig ist dabei, dass man das Gefährdungspotenzial von Kernanlagen richtig einschätzt. Geht man von extremen Standpunkten aus und verwendet Beispiele wie Kernkraftwerke Tschernobyl (Havarie am 26. April 1986, um exakt morgens um 0124) oder Fukushima Daiichi (11. März 2011, Tsunami trifft das KKW um 1527 Uhr) führt das nicht zu realistischen Beurteilungen einer Gefährdung durch Kernkraftanlagen in Europa und speziell in der Schweiz. Der Unterschied liegt in der komplett unterschiedlichen Geschichte, der Kultur, der vorhandenen Sicherheitstechnik und vor allem an der Seriosität einer Risikobeurteilung. Niemand bezweifelt heute die damalige Gefährlichkeit der havarierten Anlagen in Tschernobyl oder Fukushima. Sie würden nach der heute angewendeten Risikobeurteilung weder gebaut noch auch nur einen Tag betrieben. Nur schon die Hauptursachen dieser beiden Havarien waren von Beginn der Planung an in der Schweiz oder Europa unmöglich:

  • Tschernobyl: Technisch schlecht ausgebildete, von einem in Kerntechnik unerfahrenen „Ingenieur“ angeleitete Techniker führen einen schon nach damaligen Vorschriften unerlaubten Test an einem für Bedienungsfehler extrem anfälligen Reaktortyp aus, der dazu noch überkritisch ausgelegt war und in seiner tatsächlichen Gefährlichkeit von den Betreibern massiv unterschätzt wurde (positiver Dampfblasenkoeffizient [M1283] ). In dieser bereits brandgefährlichen Situation wird durch die Techniker ein wenige Tage vorher falsch eingebauter Panikschalter betätigt, der die Steuerstäbe zum Abschalten der Kernreaktion einfährt, in dieser Eigenschaft aber die wohl gefährlichste Fehlkonstruktion dieses Reaktors (kurze aber extreme Leistungserhöhung während des Einfahrens der Steuerstäbe) auslöst. Das sind nur die offensichtlichsten fünf Fehler, die seit dem Betrieb des ersten KKW der Schweiz, Beznau I technisch nicht möglich und von der Betreiberkultur niemals toleriert worden wären. Die Ursachen der Havarie und der traurige Sicherheitsstandard in Tschernobyl war damals und ist auch heute unmöglich vergleichbar mit einem Schweizer KKW. Man muss sich das vorstellen: Da betreiben sinngemäss „Schulbuben“ den damals gefährlichsten Reaktor der Welt, ziehen frisch und fröhlich Steuerstab um Steuerstab aus dem längst vergifteten Reaktor, ohne zu wissen, dass sie die minimale Anzahl Steuerstäbe längst unterschritten haben. Man kann das mit einem anderen Bild erklären: Man ziehe am Sicherungsstift einer Handgranate und wundere sich, dass man diesen Fehler nicht überlebt. Es gibt tatsächlich keine einfachere, zutreffendere Erklärung dieses unverantwortlichen Handelns der Sowjetischen Kernkrafttechniker mit dem bewussten Entsichern einer Handgranate. Der RBMK-Reaktor des Tschernobyl Blocks IV wurde durch die Fehlmanipulationen der Techniker geradezu gezwungen, zu havarieren …
  • Fukushima: In einer uns schwer verständlichen Sicherheitskultur auf der Basis von totaler Kritikunfähigkeit gegenüber jedem Vorgesetzten, leistet sich die Betreiberfirma Tepco den Betrieb eines Kernkraftwerks an der Küste von Japan, bekannt für seine alle ca. 30 Jahre auftretenden Tsunamis, mit der erwarteten Wellenhöhe von 15 Metern. Sie bauen das KKW 25 Meter tiefer als ursprünglich geplant, um die Anlage aus erdbebentechnischen Gründen auf festen Grund zu bringen. Für die elektrischen Teile der Anlage berücksichtigen die Planer damals einen möglichen Tsunami von 5 Metern. Es gibt allerdings keinen Hinweis dafür dass die Tieferlegung des KKW für einen Tsunami überhaupt noch berücksichtigt wurde. Während der Havarie verfügte das KKW Fukushima Daiichi weder über Abluftfilter für aerosolbildende Schadstoffe (Jod, Cäsium, Strontium) noch über Rekombinatoren des während einer Havarie entstehenden Knallgasgemisches (Wasserstoff-Sauerstoff), was dann ja auch zu eindrücklichen Explosionen geführt hat. Zu guter Letzt hat Tepco auch noch alle vorgängigen Warnungen von ausländischen Experten ignoriert, die schon Jahre vor der Havarie auf genau diese Mängel hingewiesen haben.

Diese unglaublich hohen Risiken beim Betrieb des Sowjetischen Reaktors RBMK und beim Japanischen Fukushima Daiichi vergleichen Atomkraftwerkgegner seither genüsslich mit den Kernkraftwerken der Schweiz. Es ist schlicht unmöglich, dass Greenpeace, WWF, Schweizerische Energiestiftung, die Grüne Partei und die Sozialdemokratische Partei, die allesamt seit Jahrzehnten den Schweizern ein grosses Märchen von Horrorgeschichten wie „gefährliche Risse und Löcher im Reaktordruckgefäss von Beznau“ berichten, diese Unterschiede nicht kennen würden. Risse und Löcher notabene, die sich mit einer umfassenden Studie als unkritische Aluminiumoxyd-Einschlüsse entpuppen, die seit dem ersten Guss des Reaktordruckgefässes da schon vorhanden waren. Man muss sich schon fragen, welche Motivation hinter solch falschen Behauptungen der Atomkraftgegner stehen. Wissen sie es wirklich nicht besser?

Wenn das ENSI bei uns eine Risikobeurteilung macht, sieht das etwas anders aus. Definieren die Schweizer Kernexperten ein Risiko, dann kommt das ganz seriös und wissenschaftlich transparent daher: Zuerst mal die mathematische Formel, die sie anwenden:

∑alle Störfälle(H(i) des Störfalls (i) wenn Dosis (i) > 1 mSv) ≤ 10-6 /y

Das bedeutet aufgeschlüsselt: Die Summe der Häufigkeiten aller schweren Störfälle darf maximal einmal in einer Million Jahren auftreten und dabei die Umgebungsbevölkerung mit maximal einem Millisievert (ein tausendstel Sievert) belasten. Das gilt für Anlagen mit „geringem Gefährdungspotenzial„. Betreiber müssen dieses Kriterium vor der Bewilligung wissenschaftlich nachweisen, dann ist eine Rahmenbewilligung in diesem Fall nicht nötig.

Ein von Atomkraftgegnern oft gefordertes „Null-Risiko“ ist wissenschaftlich für keine menschliche Tätigkeit nachweisbar. Mit obigem Nachweis der Belastung der Umgebungsbevölkerung mit maximal einem Millisievert in einer Million Jahren Betrieb kommt man aber sehr nahe an diese Forderung heran. Dieser eine Millisievert über der natürlichen Strahlenbelastung in der Schweiz von ca. 2 Millisievert ist absolut vernachlässigbar. Es ist absehbar, dass die Atomkraftgegner auch aus diesem Nichts problemlos noch mehrere tausend Todesfälle pro Jahr hineininterpretieren. Für die Atomaktivisten ist das längst keine Frage der Wissenschaft mehr. Die Atomkraftgegner pflegen eine kranke Ideologie, die es seit 60 Jahren nicht schafft, wissenschaftlich fundierte Argumente für eine Gefährlichkeit von Kernkraft vorzulegen. Um diesen Umstand zu vertuschen, überfluten sie uns gerne mit „wissenschaftlichen Studien„. Keine davon hat je einer tieferen Prüfung standgehalten.

Die von mir vorgeschlagenen neuen Reaktoren sind ebenfalls Flüssigsalzreaktoren. Solche Reaktoren wurden schon seit den 1990- er Jahren gebaut und stehen kommerziell in Russland seit 2016 in Betrieb. Sie wurden in Zusammenarbeit mit westlichen Kernforschern, darunter das Schweizer PSI entwickelt. Die Reaktoren des BN-800 und BN-1200 haben das Potenzial, „inhärent sicher“ zu sein. Sie kommen wahrscheinlich nicht ganz an die Bedingungen des ENSI für „Kernanlagen mit geringem Gefährdungspotenzial“ heran. Man muss sich aber im Klaren sein, dass die einmalige Überquerung eines Fussgängerstreifens statistisch das millionenfach höhere Risiko darstellt, als moderne Kernanlagen. Wenn wir also sehr ängstlich sind, würde es wohl mehr Sinn machen, die Fussgängerstreifen abzuschaffen, oder eher die Kernkraftwerke? Diese Errungenschaften einer zivilisierten Gesellschaft sind beide sehr sinnvoll, die Kernkraftwerke sind einfach noch um Faktoren sicherer als das statistische Risiko beim Überqueren eines Fussgängerstreifens.

Schweizer Kernkraft ist millionenfach sicherer, als die einmalige Querung eines Fussgängerstreifens

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