Radioaktive Strahlung ist gefährlich?

In der Diskussion um Radioaktivität wird gerne pauschal geurteilt. Solch pauschale Vorurteile sind für die Beurteilung nicht förderlich. Weder Übertreibung noch Verharmlosung bringen den Betroffene irgendeine sinnvolle Erklärung, wenn man dabei nicht bewusst differenziert. Sehen wir uns das mal etwas strukturiert an:

  • Radioaktive Strahlung ist sehr gefährlich
  • Radioaktive Strahlung ist absolut ungefährlich

Das sind die beiden Extreme in der Diskussion. Überzeugte Atomkraftgegner glauben fest daran, dass Strahlung auch in kleinsten Mengen gefährlich ist. Die Befürworter von Atomkraft glauben fest, dass Strahlung z.B. von Kernkraftwerken absolut ungefährlich ist – man sieht hier gut, wie diese Aussagen beide nichtssagend und wenig informativ daherkommen. Niemand kann damit etwas Handfestes anfangen ausser „daran glauben“. Solche Aussagen muss man gar nicht erst in die Welt setzen, ausser wenn es der Absicht entspricht, ideologisch zu argumentieren, weil man keine wissenschaftlich fundierten Angaben darüber machen kann. In beiden Fällen ist das in Medien, und in Kreisen von Befürwortern oder Gegnern oft der Fall. Solch platte Aussagen sind aber doch ein abschliessender Beweis für Unwissen, Rechthaberei und Ideologie. Nichts davon bringt die Gesellschaft auch nur einen Jota weiter. In der Welt der Kernkraft muss man einfach mehr wissen, als „Atomkraft, nein danke!“

Beide pauschalen Aussagen sind für sich genommen nicht ganz UNRICHTIG. Um diesen Aussagen einen Sinn zu geben, muss man sie umformulieren: „Wann, unter welchen Umständen ist radioaktive Strahlung gefährlich – oder eben ungefährlich?“ Wir erkennen jetzt schnell, dass diese Diskussion nicht ohne Belege, Nachweise und gut überlegte Argumente funktioniert. Wer sich z.B. strikte weigert, Begriffe wie „Sievert, Gray, REM“, „nano-, mikro- milli-„, „Mega- Giga- Tera-„Alpha-, Beta-, Gammastrahlung“, „Kilowattstunde, Kilowatt“ und die minimale Kenntnis physikalischer Regeln der Thermodynamik wenigstens oberflächlich zu begreifen, – der hat keine Chance diese komplexen Zusammenhänge in eine gültige Aussage zu bringen. Versuchen wir doch einmal so eine differenziertere Aussage zu verstehen:

  • Radioaktive Strahlung von mehr als 2 Sievert ist sehr gefährlich
  • Radioaktive Strahlung von 20 Millisievert ist absolut ungefährlich

Es sind solch spärliche aber massiv exaktere Aussagen, die in der Diskussion selten verwendet und fast IMMER falsch verstanden werden. Die meisten Journalisten, NGO-Experten und Politiker haben von „Sievert“ keine Ahnung. Trotzdem prägen sie die Diskussion darüber mit einem bewundernswerten Selbstbewusstsein. Noch massiv schwieriger ist es für einen an Radioaktivität weder ausgebildeten noch interessierten Menschen, der diese Aussagen nun liest: Wenn er sich überhaupt Gedanken darüber macht, wird er sich trotzdem wenig über die Bedeutung der Aussage für sein Leben machen. Die sinnvolle Folgefrage eines Interessierten könnte sein, dass er nach der DOSIS fragt. Und erst mit der bekannten STRAHLENDOSIS, beginnt ein tieferes Verständnis Form anzunehmen … aber die Wahrheit kommt noch wesentlich komplexer daher.

Ja, es ist so: Wie bei chemischen Giftstoffen auch, sind die Dosis und die Einwirkungszeit die entscheidenden Faktoren, um Radioaktivität ungefährlich oder gefährlich wirken zu lassen. Leider wird selbst diese Erkenntnis von extremen Atomkraftgegnern hinterfragt. Man muss leider sagen, dass das Interesse an exakten Angaben zu wissenschaftlichen Erkenntnissen bei ideologisch denkenden Atomkraftgegnern äusserst schlecht entwickelt ist. Die Befürworter haben schon deshalb mehr Erkenntnis, weil sie sich mit Radioaktivität beruflich und eher wissenschaftlich befasst haben. Diese Gruppe der wissenschaftlich Denkenden (meist Befürworter) hat deshalb ein paar Vorteile in der Argumentation und einen grossen Nachteil:

  • Vorteil 1: Sie verstehen die extrem komplexe Materie um Radioaktivität und ihre Wirkung besser und finden deshalb meist auch die besseren Argumente. Es gibt unter ihnen auch kritische Stimmen, immer dann nämlich, wenn tatsächlich eine Gefahr besteht.
  • Vorteil 2: Sie wollen und können differenziert und meist ausgewogener argumentieren, weil sie oft über eine bessere Übersicht zu Kerntechnik verfügen und meist um die physikalischen Eigenschaften der dort verwendeten Stoffe wissen. Es kommt häufig vor, dass ehemalige Atomkraftgegner durch die ehrliche Auseinandersetzung zu vorsichtigen Befürwortern werden. Sie bewegen sich nahe einer möglichen Objektivität in der Frage, ob Kernkraft nun gefährlich ist oder nicht (es kommt eben auf die Situation an).
  • Nachteil: Mit dem Slogan „Radioaktivität ist ungefährlich“ würde sich kein Kernkraftbefürworter auf die Strasse wagen. Er wäre sich seiner wenig sinnvollen, ja der faktischen Unrichtigkeit seiner Aussage bewusst. An der Antiatom-Demo kommt es keinem Kernkraftgegner in den Sinn ein Plakat aufzuhalten auf dem die Gefährlichkeit von Radioaktivität exakt beschrieben ist. Das Plakat hätte eine unlesbare Schriftgrösse und eine nicht fassbare Mitteilungsgrösse. Der Atomkraftgegner hat auch den Vorteil, dass seine wenig sinnvollen Sprüche längst zum geistigen Inventar mehrerer Generationen gehören, die alle und immer nur daran haben glauben müssen und wollen. Ihnen kommt es nicht in den Sinn, komplexe Aussagen zu machen, wenn die einfachen Aussagen doch längst eingängig geworden sind und ihre fatale Wirkung in den Köpfen der Gesellschaft längst bewiesen haben: „Atomkraftwerke sind teuer und unnötig„, „Atomkraft tötet„, „Atomkraft ist gefährlich„, „Wir haben genügend Alternativen zu Atomkraft, nützen wir sie„. Oder noch besser der Slogan „Atomkraft abschalten„, er fasst alle längst gespeicherten Sprüche der Atomkraftgegner aus den letzten 60 Jahren Desinformation zusammen. Wie bei den braven Hunden funktioniert das bei einer grossen Masse an einfachen Geistern sehr gut: „Sitz„, „Platz„, „komm„, „warten„. Wie bei den beliebten Vierbeinern, hat eine komplexere Sprache für die Mitläufer der Linken keinen Sinn, wie die Hunde müssen sie nur verstehen und folgen. Aus genau diesem Grund schaffen es linke Aktivisten problemlos, 20’000 Leute für eine Anti-Atomdemo aufzubieten und dazu zu bringen, gemeinsam ihre politische Gleichschaltung zu feiern. Die Befürworter sind hier auf verlorenem Posten, weil es ihren Anhängern schlicht zu dumm ist, sich einer solchen Masse der Kritiklosigkeit anzuschliessen. Die zum Thema Kernkraft besser informierten Befürworter verstehen sich schon aus politischen Gründen nicht als Kollektiv, sondern als selber denkendes Individuum.

Die unterschiedlich wissenschaftliche Seriösität zwischen der gegnerischen Aussage „Atomkraft ist gefährlich“ und der faktisch wesentlich ehrlicheren Aussage der Befürworter „Atomkraft ist ungefährlich„, zeigt sich das Grundproblem in der Kernkraftdiskussion: Atomkraftgegner argumentieren oberflächlich, unseriös und unwissenschaftlich. Die Atomkraftbefürworter können das mit einer einfachen Aussage nicht auflösen, weil die Wahrheit viel komplexer daherkommt und deshalb nicht mit simplen Slogans vermittelt werden kann. Faktische Wahrheit ist eine echte Behinderung für die ausgewogene und offene Diskussion auf der Strasse oder in den Medien. Es ist die systemische und unlösbare Ungleichheit zwischen simpler Propaganda und der wesentlich komplexeren Aufklärung.

Kommt es dann mal zu einer Volksabstimmung haben die Atomkraftgegner immer den Vorteil, vereinfachte Aussagen schon hundertmal gemacht zu haben und sie damit in den Köpfen vieler Stimmbürger erneut abrufen zu können. Sind wir für einmal deutlich: Auch die relativ gebildete Schweiz hat eine Bevölkerung, deren Mehrheit ein einfaches Bedürfnis nach genug und günstiger Energie hat. Solange die Steckdose Strom liefert und die Tankstelle den Treibstoff für die Fahrt zum Shopping Center – was kümmert es die Leute? Eine Verschiebung der Zustimmung in Richtung Kernkraft findet nur dann statt, wenn aktuell eine Energiekrise ansteht. Es wirkt das seit Jahrtausenden erfolgreiche Prinzip der Angstmacherei. Schon die Bettelmönche des ausgehenden Mittelalters haben die Leute zu Busse und Abbitte gebracht, mit der simpel konstruierten Angst vor einer imaginären Gefahr (Höllenfeuer). Wegen dem weit verbreiteten Unwissen der einfachen Leute wiederholt sich bei jeder Havarie eines Atomkraftwerks irgendwo in der Welt ein Kippen der Stimmung zu Hysterie, Angst und Panik. Es ist eine Krux, dass ein grosser Teil der Stimmbürger nicht bereit sind, sich ehrlich über ein Abstimmungsthema zu informieren. Dieser Umstand wird seit ewigen Zeiten von Lügnern und Betrügern ausgenutzt. Seriöse Berichterstatter sind behindert in der Argumentation, weil sie mit einfachen Schlagworten keine präzisen Korrekturen machen können. Eine einfache Umkehrung der verlogenen Argumente würde im Kontext mit der mantraähnlichen Dauerberieselung durch Alarmisten auf jeden Fall seltsam empfunden: „Atomkraftwerke sind nicht gefährlich“, „Atomkraftwerke sind billig“, „Atomkraft ist Leben“, „Atomkraft ist sicher“. Man kann das so formulieren und erreicht die einfache Bevölkerung vielleicht etwas besser. Aber es sind immer noch leere Floskeln und das Problem der falsch verstandenen, zivilen Kernkraftnutzung kann nur überwunden werden, wenn sich ein grosser Teil des Stimmvolkes damit endlich seriös befassen würde.

Moderne Kernkraft ist ungefährlich

Auch diese Aussage ist eine Vereinfachung. Aber diese Vereinfachung ist gut belegt. Wer das nun wieder nicht glauben mag, hat zwei Möglichkeiten:

  • 1. Sie oder Er glaubt es also nicht und lehnt die Kernkraft ab. Weil er oder sie darüber nichts weiss und auch nichts wissen will, werden die Beiden zum Spielball von politischer Propaganda, ideologischem Unsinn und medialer Oberflächlichkeit.
  • 2. Er oder Sie glauben es nicht, machen sich aber mit ein paar guten Büchern darüber schlau (es sind wohl an die 150 Bücher und 200 Artikel). Sie sind nach ca. 2 Jahren intensives Studium in der Lage, die richtige Entscheidung zu treffen.

Niemand liest 150 Bücher und 200 Artikel, ausser es handelt sich um eine grundsätzliche Lebenseinstellung, sich immer und überall lesend, hörend und sehend zu entwickeln. Das ist möglich, für eine Volksabstimmung mit einem gut informierten Stimmvolk benötigt man aber mehr als die 5%, die sich für das Thema Kernkraft schlau gemacht haben. Es entstehen auch in modernen Demokratien wie die Schweiz Volksentscheide, die von einem schreienden Mob propagandistisch manipuliert wurden: Die Aktivisten einer Ideologie, die keine Zeit damit verschwendet, wissenschaftlich fundiert zu argumentieren. Es ist viel einfacher etwas herumzuschreien, Angst zu verbreiten und am Ende noch zu behaupten: „Wir sind hier die Lieben und Netten, weil wir Euch andauernd vor dieser und jener Gefahr warnen.“

Wer sich intensiver über die argumentatorischen Abgründe der Umweltbewegung informieren will, der kann das tun. Es gibt genug seriöse Literatur darüber. Man muss sich wohl einfach mal aus der angenehmen Blase von Instagram und TikTok herausbewegen und sich darüber informieren, was die Welt wirklich ausmacht.

Welcher Gruppe würden Sie lieber folgen?

Schreibe einen Kommentar