Wie teuer ist Kernkraft?

Jana hat von ihren Freunden in der Schule gehört, neue Kernkraftwerke seien unbezahlbar teuer und deshalb könne man gar keine mehr bauen. Auf die Frage, was denn so teuer daran sei hat sie aber keine Antwort bekommen. Der Lehrer erklärt ihr, es gäbe da ein gutes Beispiel in Nordeuropa. Das dortige Kernkraftwerk sei sehr teuer geworden, die vorgegebene Bauzeit wurde mehrmals überschritten und die ursprünglich angegebenen Baukosten seien auch um ein Mehrfaches höher ausgefallen, als erwartet.

Jana schaut nun selber im Internet nach und findet die ersten Antworten. Dieses Kernkraftwerk ist seit April 2023 als leistungsstärkster Reaktor Europas in Betrieb und trägt den Namen Olkiluoto 3. Es hat am gleichen Ort, mit dem gleichen Namen mehrere Kernkraftwerke. Die Blöcke 1-2 sind schon einige Jahre in Betrieb. Scheinbar haben die Freunde und auch der Lehrer lediglich den neuen Block 3 kritisiert, der ist nämlich schon etwas teuer geworden, wie es scheint. Es hat sagenhafte 11 Milliarden Euro gekostet und die Bauzeit betrug 19 Jahre seit der ersten Ausschreibung im Jahr 2003!

Mimi ist auch da und meint, dass diese Aussagen schon stimmen würden, sie hätte das ebenfalls gehört. Es sei ja auch überall diskutiert worden und es gäbe dazu keine widersprechenden Angaben von offizieller Seite. Olkiluoto ist also scheinbar ein schlechtes Beispiel, ja geradezu abschreckend, wenn man die Sache kurzfristig und nur aus der Sicht eines Investors anschaut. Wer hat denn schon 11 Milliarden Euro in der Portokasse, sehen wir mal von Bill Gates oder Elon Musk ab!

Mimi meint aber, es gäbe wohl andere Aspekte, die den hohen Preis mindestens erklären könnten. Und die sind gar nicht so unwichtig:

  • Ein Kernkraftwerk ist eine gefährliche Sache, wenn man es billig bauen oder günstig betreiben will. Hier gibt es einen klaren Widerspruch bei den AKW-Gegnern, wenn sie Kernkraft generell als „gefährlich und unsicher“ bezeichnen und dann den Preis für die Sicherheit auch wieder kritisieren. Sicherheit hat speziell bei Kernkraftwerken die oberste Priorität. Niemand will ein Kernkraftwerk vor der Haustüre oder überhaupt ein Kraftwerk, das auf Kosten der Sicherheit etwas günstiger gebaut wurde. Die OSCE (Organisation for security and cooperation in Europe) prognostiziert die Kosten für zwei entsprechende Kernkraftwerke für die Schweiz von Beginn weg auf 12-13 Milliarden CHF. Das ist pro KKW zwar etwas weniger als beim KKW Olkiluoto. Entscheidend ist aber auch die Planungsqualität und die politischen Umstände in einem Land.
  • Läuft dann ein KKW mal sauber und sicher, produziert es über ca. 60 Jahre zuverlässigen und günstigen Strom. Die hohen Baukosten verteilen sich auf diese Laufzeit und relativieren selbst die horrende Summe von 11 Milliarden Euro problemlos. Es ist übrigens interessant, wie die Stromkosten in Finnland, dem Land in dem das KKW Okiluoto seinen Strom produziert, mit dem Produktionsstart von Olkiluoto 3 um 75% gesunken sind. Die Abhängigkeit von russischem Strom konnte Finnland darauf komplett sistieren. Finnland hat heute auch wegen des Angriffskriegs von Russland gegen die Ukraine keine elektrische Netzverbindung mehr mit dem östlichen Nachbarland.
  • Die Bauzeit ist ebenfalls abhängig von Planung und einer klaren Energiepolitik. Es sind oft die gleichen Geister, die eine extrem lange Bauzeit für KKW reklamieren und gleichzeitig die Umsetzung mit allen denkbaren Mitteln behindern. Experten sehen eine drohend lange Bauzeit nicht als Hindernisgrund für den Bau neuer KKW: Nuklearforscher Andreas Pautz: «Es ist möglich, ein Kernkraftwerk in fünf Jahren fertigzustellen»

Nun fragt sich Jana, ob es wirklich wahr ist, dass Kernkraft so teuer ist, wie ihre Schulkollegen meinen. Die richtige Antwort könnte sein, dass der Bau und selbst der Betrieb eines Kernkraftwerks schon teuer ist. Das darf man ruhig so sagen. Aber entscheidend ist am Ende, wie teuer der Strom ist, der durch so ein Kernkraftwerk produziert wird. Da müssen wir wohl einfach die bestehenden Kernkraftwerke der Schweiz betrachten. Wie teuer ist denn dieser Strom heute pro Kilowattstunde (KWh), nach einigen Jahrzehnten des sicheren und zuverlässigen Betriebs?

  • Das KKW Gösgen produzierte im Jahr 2024 den Strom für 4,44 Rappen / KWh
  • Das KKW Leibstadt produziert den Strom zum durchschnittlichen Preis von 4,9 Rappen / KWh
  • Das KKW Beznau produziert Strom zwischen 4 und 7 Rappen /Kwh

Im Vergleich mit anderen Produktionsarten ist das durchgehend günstiger. Berücksichtigt man noch die anfallenden Netzkosten der Erneuerbaren wie Photovoltaik oder Windkraft ist die zuverlässig liefernde Kernkraft nach wie vor konkurrenzlos günstig. Dazu kann man auch sagen, dass Kernkraft keine staatlichen Subventionen erhält und auch die entstehenden Entsorgungs- und Rückbaukosten von den KKW-Betreibern der Schweiz selber getragen werden und bereits in einem Fonds einbezahlt sind. Hierzu gibt es auch einen direkten Kostenvergleich zwischen dem KKW Three Mile Island und KKW Leibstadt aus dem Buch Entwarnung, die beide für das Verständnis die Nachteile von (in diesem Fall) Windkraft gegenüber Kernkraft aufzeigen:

[ folgende zwei Titel sind ein Auszug aus dem Buch ]

Kostenvergleich AKW Three Mile Island

Das AKW Three Mile Island hat seit 1974 bis zu seiner Abschaltung am 30. September 2019 eine Strommenge von 186’181 GWh produziert. Um diese Menge Strom mit Windkraftwerken zu produzieren, bräuchten 1’000 grosse Windkraftanlagen die gleiche Betriebsdauer von 46 Jahren. Man müsste die Windkraftwerke in dieser Zeit aber vier Mal vollständig ersetzen. Es entstünden reine Beschaffungskosten von 20 Milliarden CHF (4’000 * 5 Millionen CHF). Die Wartungskosten für diese 1’000 WKA würden sich während der 46 Betriebsjahre auf weitere 14 Milliarden CHF belaufen (46a * CHF 300’000.- * 1’000 WKA). Wir ersehen aus dieser einfachen Rechnung, dass auch mit einem alten, havarierten AKW, das seit 41 Jahren nur zur Hälfte seiner Kapazität liefern kann, immer noch wesentlich günstiger Strom produziert wird, als mit modernsten Windkraftwerken. Die schlechte Qualität des gelieferten Stroms aus Windkraft ist dabei noch nicht berücksichtigt. Die benötigte Grundfläche für die 1’000 Windkraftwerke (300m*300m*1’000) wäre um den Faktor 80 grösser als die Grundfläche des AKW Three Mile Island (3200m * 400m).

  • AKW Three Mile Island, Gesamtkosten mit Bau, Havarie und Rückbau: 8 Milliarden CHF. Darin sind auch Lohnkosten für 600 Mitarbeiter während 46 Jahren Betrieb gerechnet: 1.4 Milliarden CHF
  • Kosten bei gleicher Stromproduktion mit Windkraftanlagen: 34 Milliarden CHF
  • Flächenbedarf, Faktor: AKW=1, WKA=80

Kostenvergleich AKW Leibstadt

Das AKW Leibstadt ist noch lange am Netz. Seit 1984 liefert es jährlich ungefähr 8’000 GWh Strom. Bis zu seinem geplanten Produktionsende im Jahr 2034 wird es deshalb während 50 Jahren eine Gesamtmenge Strom von ungefähr 410’000 GWh produzieren. Für die gleiche Strommenge aus Windkraft benötigen wir ebenfalls vier Generationen von jeweils 2’000 Windkraftwerken. Weil es in der Schweiz weniger Windaufkommen hat, als in den USA müssen wir aber mindestens 3’000 Windkraftwerke in die Schweizer Landschaft stellen, um nur annähernd vergleichbare Verhältnisse zu erhalten. Diese 12’000 Windkraftanlagen kosten nach heutiger Rechnung CHF 72 Milliarden für Beschaffung und Bau. Für Unterhalt und Landpacht dieser Windkraftwerke müssen wir noch einmal CHF 46 Milliarden draufschlagen. Die CHF 118 Milliarden stehen bescheidenen Baukosten von CHF 3 Milliarden, kumulierten CHF 25 Milliarden Betriebskosten, demnach gesamthaft CHF 28 Milliarden für das AKW Leibstadt gegenüber. Entsorgungs- und Rückbaukosten, bei Windkraftwerken noch nicht berücksichtigt, fallen beim AKW Leibstadt keine mehr an, weil dafür seit Inbetriebnahme ein grosszügiger Fond gefüllt wird und dieses Geld bereits vorhanden ist.

  • AKW Leibstadt, Gesamtkosten mit Bau, Betrieb und Rückbau: 28 Milliarden CHF. Darin enthalten sind Lohnkosten für 500 Mitarbeiter während 50 Jahren Betriebszeit: 2.5 Milliarden CHF
  • Kosten bei gleicher Stromproduktion mit Windkraftanlagen: 118 Milliarden CHF
  • Flächenbedarf, Faktor: AKW=1, WKA=270

Für die vierfachen Kosten, dem hundertfach grösseren Landverbrauch, eine geringere Wirksamkeit, weniger Versorgungssicherheit und erhöhter Emission von Treibhausgasen erhalten wir mit Windkraft gleich viel Bruttoleistung Strom, verlieren aber Steuerbarkeit und Zuverlässigkeit der bisherigen Stromversorgung. Die daraus resultierende Kostendifferenz von CHF 90 Milliarden fliesst im Sozialgefüge unserer Gesellschaft von Unten nach Oben und unsere sozialistischen Politiker verkaufen das als «grüne Zukunft». Es leuchtet jedem durchschnittlichen Ökonomen ein, weshalb die Begeisterung für diesen asozialen Vorgang von Links bis Rechts breit abgestützt ist. Es findet das exakte Gegenteil von Karl Marx’ Kommunismus statt: Die Produktionsmittel und der Gewinn werden dezentral an die Profiteure der grünen Bewegung verteilt.

[ Ende Auszug aus dem Buch Entwarnung ]

Jana ist sich nun sicher: Kernkraftwerke sind am Ende günstiger, sicherer und zuverlässiger als praktisch alle anderen Produktionsarten von Strom. Und sie benötigen dafür viel weniger Platz als Photovoltaikanlagen und Windparks. Das Europaparlament, [M1344] die Kommission der EU [B3030] und die OECD [B3041] empfehlen die Nutzung der Atomkraft als beste und günstigste Lösung für die Erreichung der Klimaziele Europas und auch der Schweiz.

Zum Glück hat sie sich noch einmal selber über alles schlau gemacht. Das muss sie sofort ihren Kollegen in der Schule erzählen!

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